Im Schuljahr 2008/2009 arbeiteten meine Schülerinnen und Schüler der 10.Klasse des Schwarzwald-Gymnasiums Triberg sowie der polnischen Schulen Gymnasium 2 in Lask, Gymnasium 26 Nikolaus Kopernikus in Lodz, dem Allgemeinbildenden Lyzeum Tadeusz Kosciuszko in Lask sowie das Gymnasium Königin Jadwiga mit freundlicher Unterstützung der Universitäten Lodz [Dr. hab. Paweł Chmielewski, prof. UŁ] und Freiburg [Dr. Heinrich Schwendemann] neben dem Unterricht gemeinsam an dem Projekt „Gedächtnis für die Vergangenheit – Schicksal der Zwangsarbeiter des ‚Dritten Reiches‘ als Botschaft für die Generationen Europas“.

Gemeinsam arbeiteten sie das Schicksal junger Menschen auf, die während des Nationalsozialismus in die Region Schwarzwald verschleppt und dort auf Bauernhöfen zur Zwangsarbeit verpflichtet wurden. Jeder der Kooperationspartner übernahm dabei von Beginn an einen Teil der zu bearbeitenden Inhalte. Während die Triberger Gymnasiasten deutsche Zeitzeugen befragten, recherchierten die polnischen Jungen und Mädchen die Geschehnisse aus Sicht der ehemaligen polnischen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen. Die Beteiligten wollen die Erfahrung dieser Menschen in eine Botschaft wandeln, die in Zukunft für das Miteinander der europäischen Bürgerinnen und Bürger von großer Bedeutung sein kann. Im Rahmen des Projekts nahmen die deutschen und polnischen Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren an der Universität Freiburg an einem Workshop teil, in dem sie die Methode der Oral History kennenlernten und in das wissenschaftliche Arbeiten eingeführt wurden. Sie lernten auch, wie man qualifizierte Interviews führt und einen Fragenkatalog für die Gespräche mit den Zeitzeugen erstellt. In Kleingruppen machten die Jugendlichen danach in Polen und Deutschland durch ihre Eltern, Großeltern und durch Mund-zu-Mundpropaganda Zeitzeugen aus, die ihnen von ihren Erlebnissen und Erfahrungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs erzählten. Auf diese Weise konnten die deutschen und polnischen Jugendlichen insgesamt 15 Interviews führen. Allein auf deutscher Seite kamen so über 20 Stunden Material zusammen, das von den Beteiligten transkribiert und ausgewertet wurde. Die Jugendlichen ergänzten ihre Informationen durch Archivrecherchen. In einem fünftägigen Seminar setzten sich die 100 Jugendlichen und ihre 10 Betreuer/innen mit ihren Rechercheergebnissen auseinander. Sie besuchten unterschiedliche Bildungseinrichtungen, die für das Projekt von Bedeutung sind, wie das Gedenkzentrum des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof und machten eine Tagesexkursion nach Straßburg, um auch das Schicksal polnischer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im besetzten Frankreich zu beleuchten. In einer öffentlichen Podiumsdiskussion, an der ca. 250 Gäste, darunter Gemeindevertreter/innen, Zeitzeugen und Medienvertreter/innen, teilnahmen, schilderten die deutschen und polnischen Schülerinnen und Schüler anschließend die damalige Situation im Schwarzwald und präsentierten persönliche Schicksale. Eine polnische Zeitzeugin berichtete den Anwesenden von ihrer Kindheit, die sie auf einem Hof im Schwarzwald verbrachte, auf dem ihre Eltern als Zwangsarbeiter eingesetzt waren.

Im Juli 2009 fand ein weiteres mehrtägiges Seminar für die Beteiligten des Projektes in Polen statt, bei dem die deutschen und polnischen Ergebnisse zusammengeführt und eine multiperspektivische internationale Präsentation erarbeitet wurde. Die Ergebnisse der deutschen Schülergruppe wurden vor diesem Hintergrund der polnischen Öffentlichkeit präsentiert und auch an der Universität Lodz Wissenschaftlern und ehemaligen Zwangsarbeiterinnen vorgestellt. Durch den Besuch verschiedener polnischer Einrichtungen, Zwangsarbeitervereinen und Gedenkstätten (Radogoszcz, Auschwitz / Birkenau) konnten die Ergebnisse in einen gesamthistorischen Kontext eingefasst werden und so den Projektteilnehmern ein Bild der gemeinsamen Vergangenheit vermitteln. Gerade die internationale Ausrichtung des Projekts ermöglichte zudem eine Annäherung der Jugendlichen an das jeweilige Nachbarland und konnte so die Öffentlichkeit für die Thematik sensibilisieren. Nach Abschluss des Projektes werden nun auf dieser Internetseite www.zwangsarbeiter-im-schwarzwald.eu Ausschnitte der Erarbeitung dargestellt. So sind nun zwei mitgeschnittene Präsentationen ansehbar – aber auch Interviews können ganz (oder thematisch geschnitten) angehört werden. Das Projekt wurde von der Europäischen Union mit 20.000 Euro bezuschusst.

Die Präsentationsgruppe in Triberg